"Bericht ""Die Feinde des Internet"" von Reporter ohne Grenzen erschienen"

Die Organisation Reporter ohne Grenzen hat auf ihrer Homepage einen umfassenden Bericht über Zensurbestrebungen im Internet veröffentlicht. Es ist jedoch hier nicht möglich, den Bericht auch nur annähernd vollständig widerzugeben, so dass nur einige extreme Beispiele genannt werden sollen, da jedes einzelne Land in diesem Bericht analysiert wird.

Da es sich um eine Organisation von Journalisten handelt, wird zunächst einmal versucht, die Auswirkungen des Internet auf den Journalismus allgemein zu beschreiben. So verschiebe das Internet das Machtverhältnis zwischen Regierungen und den Produzenten von Informationen zuungunsten der Regierungen, da Informationen nicht dem Recht des jeweiligen Landes unterworfen sind, wenn sie auf ausländischen Servern liegen, aber dennoch können sie prinzipiell in jedem Land abgerufen werden. Auch können E-Mails weltweit verschickt werden – doch sie werden von Geheimdiensten gelesen. Man muss nur eine Mail nach China schicken und Empfangsbestätigungen verlangen. Man erhält ca. 20.

Womit man schon beim nächsten Punkt wäre: Wie versuchen Regierungen dennoch ihre Macht wieder zu stärken? Eine Methode wurde bereits erwähnt: Geheimdienste. Eine andere Methode hat Nordkorea gewählt: Keine Server, keine Verbindungen, kein Internet, was jedoch das Regime nicht davon abhält, dennoch Propagandaseiten auf japanischen Servern am Laufen zu halten. Saudi-Arabien widerum hat sich anders entschieden: Durch aufwändige Filtersysteme sollen unerwünschte Inhalte gesperrt werden können. Wie effektiv diese bereits arbeiten, lässt sich am Programm Smartfilter von Siemens erkennen. China mit 20 Millionen Internet-Usern bildet eigens Polizeibeamte, die eine vergleichbare Aufgabe erfüllen sollen. Angeblich gibt es bereits einen Studiengang mit dem Titel „Kriegsführung im Internet“ (Siehe De:Bug 48, Juni 2001).

Das sind nur einige wenige Beispiele für unterschiedliche Bestrebungen, Kontrolle über das Internet zu erlangen. Gut, mag man einwenden, dies seien alles Diktaturen. Doch auch in Demokratien existieren solche Bestrebungen, wenn auch nicht so offensichtlich. Hier sei nur noch das Beispiel Deutschland erwähnt, wie es im Bericht auftaucht: In Deutschland gebe es Zensurbestrebungen gegen die extreme Rechte, was einige Organisationen für Meinungsfreiheit auf den Plan ruft. Dagegen seien die DENIC und einige ISPs stolz, berichten zu können, einige hundert Neonazi-Seiten geschlossen zu haben. Außerdem müssten ISPs Daten von Usern für Geheimdienste zur Verfügung stellen.

 Autor: Thomas Mayer
 Veröffentlichung: 11. Juni 2001
 Kategorie: Nachricht
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