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Fr, 8. August 2008
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DER GROSSE BRUDER
2000 - 2008
08.12.2004
Unabhängiger Journalismus in Gefahr
Leipzig* Laut einer Studie des Leipziger Instituts für Praktische Journalismusforschung gerät die unabhängige Berichterstattung immer weiter ins journalistische Abseits. Der Einfluß von Unternehmen und Wirtschaftsverbänden auf die Berichterstattung wachse.

Laut einer Studie des Leipziger Instituts für Praktische Journalismusforschung gerät die unabhängige Berichterstattung immer weiter ins journalistische Abseits. Wie auch der Deutsche Depeschendienst (ddp) berichtet, wächst der Einfluß von Unternehmen und Wirtschaftsverbänden auf die Berichterstattung in deutschen Zeitungen.

Damit wird der Trennungsgrundsatz zwischen redaktionellem Text und Werbung zunehmend aufgeweicht, so Prof. Dr. Michael Haller, Leiter des Instituts für Praktische Journalismusforschung. Hauptproblem sind dabei die sogenannten Kopplungsgeschäfte.

So werden Berichte über Anzeigenkunden von Redaktionen bevorzugt. Zum Beispiel wurde im Februar 2001 der Beschwerdeausschuss des Deutschen Presserats gegen die Zeitschrift Ventil aktiv. Das Branchenblatt für Taxifahrer hatte redaktionelle Beiträge über ein Unternehmen davon abhängig gemacht, daß im Gegenzug entsprechende Anzeigen geschaltet wurden.

Eine andere Variante sind redaktionelle Beiträge zur Förderung des eigenen Verlagsgeschäfts. Etwa werden die Bücher des eigenen Zeitungsverlag positiv rezensiert, um die Verkaufszahlen zu erhöhen.

Weiterhin veröffentlichen vor allem Lokalzeitungen, aber auch Radio- oder Fernsehsender Beiträge Public-Relation-Redaktionen gänzlich unredigiert. Oder es werden passende Artikel zum daneben beworbenen Produkt verfaßt und über die Anzeige auch finanziert. Gerade bei Wirtschaftsmagazinen ist diese Art der Schleichwerbung häufig zu finden. Auch scheinbar seriöse Zeitungen, wie die Welt am Sonntag, wurde wegen derartiger Vorgänge bereits vom deutschen Presserat gerügt.

Neben dieser Verquickung von Text und Werbung, warnt Haller vor einer schleichenden Deprofessionalisierung der journalistischen Arbeit durch immer weiter reduziertes Personal. Heute stünden in den Lokalredaktionen für Recherchearbeit pro Redakteur im Schnitt 90 Minuten täglich zur Verfügung. Folglich nehmen vor allem die Zahl jener Artikel dramatisch zu, die sehr wenige oder gar nur eine Quelle haben. Für den Leser, Hörer oder Zuschauer wird es damit immer schwerer, zwischen unabhängiger Berichterstattung und Öffentlichkeitsarbeit zu unterscheiden.

-- Peter Ulber --

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