Gut, das Internet ist Allgemeingut, damit wird die Frage weiter verlagert: Wer ist die Allgemeinheit? Daran scheiden sich die Gemüter: Nachdem bei der letzten Neuwahl die Hälfte der Mitglieder in der Internet Corporation for Assigned Numbers and Names (ICANN) durch freie Wahlen von Internetnutzern bestimmt wurden, wird dieses Verfahren nun in Frage gestellt.
Zwar soll zunähst eine Studie eines „At-Large-Study“-Komittees (ALSC) unter Leitung des ehemaligen schwedischen Ministerpräsidenten Carl Bildt abgewartet werden, doch die Postenschacherei hat schon wieder begonnen: So fordern die Vertreter der Gesellschaften, die die Länderdomains verwalten, eigene Sitze im ICANN-Präsidium und haben bereits damit gedroht, auszutreten und eine eigene Gesellschaft zu errichten. Aber auch die Vertreter der Regierungen, die bisher nur als „Berater“ in diesem Gremium zugelassen sind, möchten einige der u.U. freiwerdenden Sitze für sich in Anspruch nehmen, da sie sich als Vertreter der Allgemeinheit sehen. Eine weitere große Gruppe, die Sitze beansprucht, sind die Internet Service Provider (ISPs).
Begründet wird dies alles mit einem geringen Interesse der User an der Online-Abstimmung letztes Jahr. Haben gerade einmal 150.000 User ihre Stimmen abgegeben, so haben sich davon wiederum nur noch 6.000 in eine E-Mail-Liste eingetragen, um über die Aktivitäten des ALSC informiert zu werden.