Artikel aus SPIEGEL ONLINE, Der Spiegel (Ausgabe 22/2001) – SpiegelnetAG
Die Innenbehörden sollen künftig mit einem Computerprogramm zur
Gesichtserkennung Asylschwindler ertappen. Dabei haben die Beamten
jene Ausländer im Visier, die nach der Ankunft in Deutschland ihren
Pass wegwerfen und behaupten, sie kämen aus einem Land, für das ein
Abschiebestopp besteht. Zwar tauchen zahlreiche Pässe wieder auf:
Schätzungsweise 20 000 herrenlose Auslandspässe stapeln sich zurzeit
in deutschen Amtsstuben, darunter vermutlich auch zahlreiche
Ausweise, die Asylbewerber angeblich verloren haben. Eine Zuordnung
der Pässe war aber bisher nur selten möglich. Künftig soll deshalb
eine neue Software eingesetzt werden, die die Passbilder der
gefundenen Ausweise digital erfasst und mit den Fotos von
mutmaßlichen Asylschwindlern abgleicht. Eine entsprechende Empfehlung
an die Innenministerkonferenz hat eine Arbeitsgruppe mit Vertretern
der Länder Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hamburg und
Rheinland-Pfalz beschlossen. Die Technik, mit der unveränderliche
Gesichtsmerkmale ausgewertet werden, hat nach Angaben von Dietmar
Martini-Emden, Leiter der Arbeitsgruppe und Chef des Ausländeramtes
der Stadt Trier, bei Tests eine hohe Trefferquote erreicht.