China inszeniert den Präzidenzfall Zhang um die Ausweitung der Internetkontrolle zu rechtfertigen. Der 17-jährige Zhang sprang aus dem Fenster der elterlichen Wohnung im 4. Stockwerk in den Tod. Nachdem er über 72 Stunden in einem Internetcafé zugebracht hatte, hatten ihn die Eltern in sein Zimmer eingesperrt. Das Fenster war der einzige Weg raus aus dem Haus und rein ins Netz. Die Schlagzeile bei China-Daily lautete am 23.06.2001 „Internet-crazed teenager jumps to death“.
Zhang war Informatik-Student an der Berufsschule in Shaoxing in der Provinz Zhejiang im Osten Chinas. Der Hang zum Netz brachte ihn, so suggeriert die Berichterstattung, war sein Problem. „Was it a good thing to introduce him to this brand new world on the net – or a bad thing to block his communication with the actual world around him?“ fragte Wang Xiaozhao, Professor an der Pekinger Tsinghua Universität. „From the moment the Internet came into being, an intangible world was created for us. While people are realizing their dreams with the help of the Internet, we must also see that some serious social problems have also occurred because of our misusing this totally created world,“ sagte Wang.
Diese Diagnose ist im Prinzip ganz richtig, doch sind die in China gewöhnlich gezogenen Konsequenzen fragwürdig. Es ist wenig förderlich, die Freiheit auf Information zu verbieten. Das entmündigt die Bürger und schränkt letztlich deren Urteilsfähigkeit ein. Vielmehr ist massive Aufklärung gefragt. Und das gilt nicht allein für China. Auch in der westlichen Welt verfällt man mehr und mehr auf eine Law-and-Order-Politik, die den dortigen demokratischen Verfassungen zuwiderläuft. Wie weit ist es noch in Europa bis zu chinesischen Verhältnissen?