Seit 1994 gibt es bei den Krankenkassen die elektronische Chipkarte. Damit gilt sie in Fachkreisen bereits als überaltert. Nun streitet man sich über neue Möglichkeiten zur Speicherung der Patientendaten. Zur Diskussion stehen
einerseits eine neue innovative Patientenkarte und andererseits die Archivierung aller Daten in einer zentralen Dantenbank.
Bisher werden die Karten mit Chips der Firma Infineon Technologies ausgestattet. Um den zukünftigen Anforderungen zu genügen, hat das Tochterunternehmen von Siemens einen neuen 32 KB Speicherchip entwickelt. Das Speichervermögen reicht zur Archivierung der gesamten Anamnese und der aktuellen Medikation. Für eine Sicherung der Röntgenbilder oder anderen optischen Diagnosedaten wäre aber ein Volumen von mindestens 3-4 MB notwendig. Diese Kapazität läßt sich gegenwärtig nicht mit Chipkarten realisieren. Eine Alternative wären hier optische Speichermedien, die in der geeigneten Form bis zu 8 MB aufnehmen können. Dafür lassen sich die Daten aber nicht adäquat verschlüsseln. Favorisiert wird deshalb eine Kombination von Chipkarte und Optischem Speicher, die sogenannten Optical Memory Chip Cards.
Neueste Entwicklungen haben die Java Smart Cards hervorgebracht. Sie versprechen neue Möglichkeiten für die Integration von Kartentechnologien und dem Internet. Die Programmierung der Java Smart Card mit der Internet-Programmiersprache Java ermöglicht das Betreiben mehrerer firewall-geschützter Anwendungen auf einer einzigen Karte mit direktem Zugriff auf verteilte Datenbestände im Internet oder einem Intranet.
Die Krankenkassen sind aber vom den Kartenmodell nicht überzeugt. Sie plädieren für eine Speicherung der Patientendaten auf einer zentralen Datenbank. Die Patientenkarte würde dann nur noch administrativen Zwecken dienen. Grundsätzlich ist eine zentrale Sammlung von Patientendaten im deutschen Gesundheitswesen nicht zulässig. Die zentrale Abwicklung von Rezeptverordnungen wäre aber möglich, da in diesem Falle die Daten nicht gesammelt, sondern nach erfolgter Verordnung wieder gelöscht werden würden.
Sicherheitstechnisch gesehen, lassen sich das Karten-, wie auch das Servermodell gleich gut ausrüsten. Für den Patienten ist aber die eigene Patientenkarte mit allen Daten viel transparenter, als die auf einer zentralen, nicht sichtbaren Datenbank gespeicherten Daten. Dafür ist diese Version auch wesentlich kostenintensiver. Und das Risiko des Datenverlustes bei Verlust der Karte ist ungleich höher. Röntgenergebnisse werden meist auch nicht direkt beim Arztbesuch auf die Karte aufgespielt, da für den endgültigen Befund oft eine weitere Meinung eingeholt wird. Für das Kartenmodell spricht neben der Transparenz auch die dezentrale Organisation, und damit die letztlich doch höhere Sicherheit für den Patienten, daß mit seinen Daten nach seinen Wünschen ordnungsgemäß umgegangen wird.