"Videoausstellung ""Private Affairs"""

Noch bis zum 14. April ist im Kunst Haus Dresden die Videoausstellung „Private Affairs“ zu sehen. Die Ausstellung von Angelika Richter präsentiert aktuelle Filmporträts, die aus um Fragen der Identität und ihrer sozial-kulturellen Prägung kreisen und schwankt dabei zwischen Dokumentation, Voyeurismus, Observation und Denunziation.


Besonderes Gewicht wird dabei auf das persönliche Umfeld und die darin entstehenden Geschichten gelegt. Anliegen der zehn in der Ausstellung präsentierten Videoarbeiten ist es, subjektive Räume und Erfahrungen transparent zu machen.

„Die Intimität der Szenen und deren Darstellung in den der Öffentlichkeit normalerweise vorenthaltenen Bildern ergeben ein besonderes Spannungsverhältnis von ungewollter Nähe und möglicher Distanz. Biographien zwischen alltäglichem Leben und Extremen existentieller Situationen werden in ihrer Flüchtigkeit festgehalten, auf ihre Bedeutungen hin untersucht und als Erfahrungs-Paradigmen extrahiert.“

Begleittext zu „Private Affairs“ auf der Internetseite des Kunst Haus Dresden

Die Arbeit „Bath House“ von Katarzyna Kozyra zeigt mit versteckter Kamera aufgenommene Szenen in einem Budapester Badehaus. Die dort gezeigten Körper von Frauen jeden Alters relativieren und vernichten Schöheitsideale und sensibilisieren so für den natürlichen Prozeß des Alterns. Der Preis für diese Sensibilisierung ist hoch. Die Künstlerin exponiert erbarmungslos das Private und macht es zu etwas von öffentlichem Interesse, indem sie das Schamgefühl der unfreiwilligen Akteure der eigenen schöpferischen Freiheit unterordnet.

Das Private zeigt sich in den Abhängigkeiten und Ambivalenzen des Zusammenlebens in der Institution Familie, wie es sich auf gegensätzliche Weise bei den Arbeiten von Laura Bruce und Richard Billingham dargestellt findet. Dabei wird das Problem dieser Arbeit besonders sichtbar: Das Private scheint immer mehr zu einer bloßen Redeweise zu degenerieren. Allein als Material für kurzlebige Spekakel scheint es noch geeignet. Eine gewiß sehenswerte Ausstellung, wo die Grenzen zwischen Dokumentation auf der einen Seite und Voyeurismus und Observation auf der anderen auf problematische Weise verschwimmen.

 Autor: Peter Ulber
 Veröffentlichung: 4. April 2002
 Kategorie: Nachricht
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