RFID – Ultimativer Big Brother?

Während der Anhörungen in den vergangenen Wochen vor dem obersten Gericht der Vereinigsten Staaten war es Senator Joe Biden, der den technologisch fixierten Blick auf Radio Frequence Identification (RFID) erstmals auf rechtlich und politische Probleme der neuen Techik lenkte.

Liz McIntyre, Mitautorin des Buches ‚Spychips‘, sieht nicht nur Probleme, sondern riesige Gefahren in RFID. „Police will be able to track your every move when you drive,“ McIntyre told Wireless World. Ihr Fazit: „RFID-Chips, welche ein Signal senden, das mit entsprechenden Empfangsgeräten ausgelesen werden kann, seien der ultimate Big Brother.“

Dem etwas reißerischen Untertitel Folge leistend, berichten McIntyre und Albrecht von der Bank of America, die an einer „person tracking unit“ arbeitet, mit Hilfe derer man Personen anhand von in den Kleidungsstücken versteckten RFID-Chips in Bahn und Kaufhaus verfolgen könne.

Dem nicht genug entwickle ein Unternehmen (Nokia) aus dem Mobilfunksektor ein Telefon, mit dem man vorbeigehende Passanten scannen kann. Ebenso seien RFID-Techniken bei großen Firmen in Vorbereitung, die der personalisierten Werbung dienen sollen.

Wenngleich diese Szenarien technisch möglich sind, versuchen die Hersteller von RFID-Chips und ihre Lobbygruppen die Kritiker zu beschwichtigen.

So veröffentliche die Vereinigung für automatisierte Identifikation und Mobilität (AIM) vergangene Woche ein Papier, in dem sie die Einhaltung aller Datenschutzrichtlinien beteuert: „AIM Global is dedicated to ensuring full compliance with all relevant personal privacy and security regulations and laws.“

Die US-Regierung setzt bereits jetzt auch auf die neue Technik: So werden etwa an der kanadischen Grenze RFID-Chips zur Lokalisierung von LKWs eingesetzt, welche die Grenze überqueren. Ebenso kommen die Chips bei Personen zum Einsatz, die regelmäßig die Grenze überqueren müssen. Auch in Deutschland ist RFID auf dem Vormarsch: Ab November werden alle neuen Reisepässe mit einem entsprechenden Chip ausgestattet. Wer diese umgehen möchte, sollte bis Ende Oktober einen neuen, alten Paß beantragen.

 Autor: Peter Ulber
 Veröffentlichung: 10. Oktober 2005
 Kategorie: Nachricht
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